Diabetes Leitlinien 2021 – WHAT THE *** ?

Diabetes Leitlinien 2021 – WHAT THE *** ?

Dieses Frühjahr sind die überarbeiteten Diabetes Leitlinien 2021 zur Diabetes-Behandlung veröffentlicht worden. Aufgrund der aktuellen Studienergebnisse, die die Themen Abnehmen zum Zwecke der Gesundheitsförderung mehr als in Frage stellen, war ich richtig gespannt darauf, was die neuen Leitlinien bringen werden.

Beim Lesen der Leitlinien war ich sehr positiv gestimmt. Die einleitenden Worte und die zusammengefassten wissenschaftlichen Erkenntnisse waren wirklich ein Grund zum Feiern. Hat in unserer Gesellschaft gerade etwa der lang ersehnte Denkumschwung im Gesundheitssystem stattgefunden? Der Einführung zur Folge – JA.

Hier ein Auszug der in den Leitlinien angestellten Schlussfolgerungen:

  • Die Ernährung ist unter starker Berücksichtigung persönlicher Vorlieben zu gestalten.
  • Ein allgemeines Ziel ist die Förderung ausgewogener Essgewohnheiten und das Eingehen auf individuelle Ernährungsbedürfnisse.
  • Die Freude am Essen sollte erhalten bleiben.

Und es ging freudig weiter, denn auch die aktuellen Studienergebnisse zum Thema Gewichtsreduktion, Diäten und Zügelung wurden in die Leitlinien eingebaut. Das Conclusio der Verfasser lautet folgendermaßen:

Hinweis: die Textstellen stammen quasi 1:1 aus den österreichischen Diabetes Leitlinien. Kursive Textstellen sind von mir ergänzt.

  • Mehrgewicht und A*ipositas sind nicht per se ungesund. Normgewichtige mit Diabetes T2 zeigen eine höhere Sterblichkeitsrate als mehrgewichtige metabolisch gesunde Personen. Es gibt viele metabolisch gesunde mehrgewichtige Menschen. Endlich verewigt in den Leitlinien!
  • Viele Normgewichtige sind metabolisch ungesund. WUHUUU !! Danke! Mehr als 30% der Normgewichtigen Menschen zeigen erhöhte Blutzuckerwerte. Ein Hinweis darauf, dass nicht das Gewicht der entscheidende Faktor ist!
  • Gewichtsreduktionsprogramme bringen langfristig keine metabolischen Vorteile für Betroffene. Abnehmen als Ziel bringt keinen Vorteil. Da können wir es gleich lassen, wenn wir wissen, dass es die Gesundheit für 80% der Betroffenen verschlechtert.
  • Ernährungsmodifikationen OHNE Gewichtsreduktion zeigen dramatische Verbesserungen. Das heißt, wir können die Gesundheit von Betroffenen fördern, ohne ihnen Gewichtsreduktion zu verschreiben WEIL
  • 80 % der Diäten scheitern und eignen sich nicht als langfristige Lösungen! Halleluja !! Danke!
  • Weight Cycling ist häufig die Folge von Diäten! Diese Gewichtsschwankungen sind zu vermeiden. Gewichtsstabilität ist mit einem besseren kardiovaskulären Outcome 80% der Betroffenen haben 1-3 Jahre nach der Gewichtsreduktion ihr Ausgangsgewicht oder mehr auf den Hüften. Das Gewicht zu halten ist dabei gesünder für den Körper als Abnehmversuche, die sowieso in 80% der Fälle scheitern.
  • Zügelung führt zum Überessen. Gewichtsreduktionsprogramme und Diäten führen demnach zu gesteigertem Essdrang. Duzende Studien zeigen uns dies. Endlich auch in den Leitlinien vermerkt.

Unser Conclusio aus den Diabetes Leitlinien 2021 ist also folgendes:

  • Diäten stellen eine Gefahr für die Gesundheit dar.
  • Gewichtsreduktions-Interventionen bringen keinen Vorteil.
  • 80% der Gewichtsreduktionen scheitern. Betroffene nehmen wieder zu.
  • Weight Cycling ist zu vermeiden und damit Diäten und Gewichtsreduktion.
  • Diabetes-Risiko hat nicht per se etwas mit dem Gewicht zu tun, da auch viele Normgewichtige davon betroffen sind.

Das Fazit der Diabetes Leitlinie 2021 wäre also folgendes: Finger weg von Diäten und Gewichtsreduktion als Ziel der Gesundheitsförderung.

Das klingt doch durchaus vielversprechend, nicht wahr? Leider zu früh gefreut. Die daraus abgeleitete Empfehlung lassen nur zum Kopfschütteln übrig! Fünf Schritte nach vorne und zehn wieder zurück ist hier die Devise.

Denn was nach den äußerst positiven Zusammenfassungen aktueller wissenschaftlicher Studien kam, war nicht mehr sehr plausibel und schockierend:

  • Empfehlung: Gewichtsreduktion.

Statt umzudenken ignorieren wir die soeben aufbereiteten Erkenntnisse und geben die gleiche Empfehlung wie zuvor.

Das Endergebnis jedoch immer das Gleiche. Immer und immer wieder. Dass Gewichtsreduktion für 80% der Betroffenen nicht funktioniert ist Nebensache. Die physiologischen und psychologischen Auswirkungen von Gewichtsreduktionsprogrammen erneut außer Acht gelassen.

Da könnte man glatt meinen: Was nicht gesehen werden will – wird nicht gesehen. Und tatsächlich ist dies ein gängiges Phänomen, dass den Namen A*ipositas Paradoxon trägt. Die aktuellen Studienergebnisse, passen nicht zu unserer gesundheitspolitischen Meinung, dass Mehrgewicht gesundheitsschädigend ist. Also nennen wir es Paradoxon, stellen es auf die Seite und machen weiter wie bisher.

Wann wird endlich dieser lang ersehnte Paradigmenwechsel stattfinden? Die Studienergebnisse sprechen doch für sich. Bleibt nur noch weiter zu hoffen übrig, dass das zuständige Fachgremium seinen Stolz Beiseite schiebt und den Mut zur (positiven) Veränderung aufbringt.

Zu diesen Leitlinien gab es ein Gruppenposting. In meinem Beitrag auf Instagram sind die anderen Accounts verlinkt.

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Klinische Psychologie, Gesundheitspsychologie, Inhaber: Cornelia Fiechtl (Firmensitz: Österreich), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.
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